der Bunker-Kundschafter   

 

Bunkeranlage - Wünsdorf / Zossen
Eine der größten militärischen Anlagen der Deutschen Wehrmacht umfasst die ehemalige Garnisonsstadt Wünsdorf. Das riesige Arial ist mit Bunkern aller Größenordnungen übersät, wobei die Bunkeranlagen " Zeppelin und Maybach " die größten Bauwerke auf den Territorium darstellen. Die Anfänge als Garnisonsstadt reichen in der Militärgeschichte vom Anfang des 20. Jahrhunderts  ( Kaiserzeit ) über die Zeit des 3. - Reiches bis zum Abzug der Sowjetischen Besatzungstruppen, die in der DDR in allen Regionen präsent waren. Auf Grund von völliger Gleichgültigkeit von Ordnung, Sicherheit und auch ökologischen Verhaltens der Nutzer  ist Wünsdorf eines der größten Konversionsgebiete in Europa. Obwohl schon genügend Bunker vorhanden waren haben selbst die Russischen Streitkräfte hier noch  neue Bunker errichtet. Leider sind diese noch nicht zur Besichtigung freigegeben. In Ihrer Größe und Tiefe stehen sie den Wehrmachtsbauten in nichts nach. So soll ein Bereich von Bunker die Flächen - Größe von       3 Fußballfeldern haben. So lange diese nicht der Öffentlichkeit zugänglich sind bleibt dies allerdings Spekulation.                             

Hier ein Bericht zu den Gegebenheiten in Wünsdorf :    

Vor einigen Jahren begannen die Führungen durch die Wünsdorfer Bunkeranlagen. Seitdem betraten Tausende von Besuchern einen Teil jener unterirdischen Betonfestungen, von denen aus die Nazis das militärische Räderwerk  der Okkupation großer Teile Europas aus in Gang gesetzt hatten. Bereits im August 1933 wurde der Raum Zossen - Wünsdorf als Standort der obersten Kommandobehörde für den Fall eines Krieges ausgewählt. Um 1910 war hier eine Kaiserliche Garnison mit Truppenübungsplatz entstanden. Die vorhandenen fernmeldetechnischen Voraussetzungen waren allerdings bis 1933 in Wünsdorf äußerstdürftig. Deshalb erteilte die Heeresleitung als erstes den Auftrag zur Projektierung einer Fernmeldezentrale. Nach ersten Vorbesprechungen 1935 traf der Chef des Generalstabes für den Standort am 14. August 1936 eine Grundsatzentscheidung. Der Plan sah zwei verbunkerte Nachrichtenzentralen vor : - das "Amt 500" für den Führungsstab und das "Amt 501" für das Transportwesen. Ende 1937 wurde entschieden, nur das "Amt 500" auszuführen. Das Reichspostministerium wurde angewiesen, einen neuen Projektvorschlag vorzulegen. Aus der für Zossen-Wünsdorf eingebürgerten Bezeichnung "Z" wurde der Deckname "Zeppelin". Nach einer erneuten Projektänderung (1938) entstand bis Mitte 1939 eine bis zu 25 Meter in die Tiefe reichende Betonanlage, mit oberem und unterem Betongeschoss, darunter Tiefkeller und schließlich, ganz unten, Kabel- und Rohrstollen. Dazu gehörte ein Stollensystem mit mehreren Endbauwerken (getarnt als Familienhäuser), Notausstiegen, Hilfsschächten sowie acht Tiefbrunnen.  Dazu kamen diverse technische Einrichtungen wie Lastenaufzüge, Notstromaggregate, Be- und Entlüftung, Rohrpostsystem, Werkstätten, Gleichrichter und Umformer. Die Arbeiten wurden zu Beginn 1939 so beschleunigt, daß bereits Ende Mai "Zeppelin" den Probebetrieb aufnehmen konnte. Am 22. August 1939 also wenige Tage vor Beginn des Zweiten Weltkrieges  begann der reguläre Dienst. Was für wichtiges bzw. äußerst wirkungsvolle Instrument der Kommunikation  die Nazi-Führung nun verfügte, zeigen die Ereignisse bei der Auslösung von "Fall Weiß" (Überfall auf Polen), als Hitler, am 25. August aus politischen Gründen seinen um 15 Uhr gegebenen Befehl gegen 19 Uhr zurücknahm und die Aufmarschbewegungen stoppen ließ. Nur durch das Funktionieren von  "Zeppelin"  war dies möglich, ebenso wie die Ausgabe des neuen kurzfristigen Termins für den 1. September, 04:45 Uhr. Von der Nachrichtenzentrale führte der Südstollen zu einer anderen Bunkeranlage in unmittelbarer Nachbarschaft, genannt Siedlung " Maybach l ".  Sie wurde wahrscheinlich zeitgleich mit  " Zeppelin " projektiert und ab 1937 gebaut. Insgesamt wurden zwölf Bunkerhäuser errichtet, jeweils mit einem zweietagigen oberirdischen Teil, und zwei Bunkergeschossen. Das oberirdische Gebäude, geschickt getarnt als Wohnhaus, war vollständig aus Beton mit bis zu 1 Meter starken Wänden, Decken und Dächern und gegen die unterirdischen  Teile durch Stahltüren gasdicht abgeschlossen.
Ein etwa 600 Meter langer RingstolIen verband die Bunkerhäuser. " Maybach 1 " wurde in den letzten Augusttagen des Jahres 1939 bezogen, unter anderem vom , Oberbefehlshaber des Heeres mit persönlichem Stab, Chef des Generalstabes, Chef des Heeresnachrichtenwesens, Stab des Generalquartierrneisters, den Abteilungen " Fremde Heere Ost " beziehungsweise West (militärische Aufklärung/Spionage). Analog zu dieser, nachrichtenmäßig vorzüglich ausgestatteten Bunkersiedlung, entstand etwa einen Kilometer südlich davon "Maybach 2", bestehend aus elf Bunkerhäusem und einem Maschinenhaus. Bezogen wurde diese Anlage 1940. Zuletzt befand sich hier unter anderem der Wehrmachtsführungsstab.
In der ersten Februarhälfte 1945 begann die Verlegung vieler Heereseinheiten aus Zossen-Wünsdorf nach Mittel- beziehungsweise Süddeutschland, was nach dem schweren Luftangriff vom 15. März 1945 auf Zossen noch forciert wurde. Der Bombenhagel hatte auf die Bunker keine Auswirkungen. Als am 20. April 1945, nach schweren Kämpfen am Wolziger See die Rote Armee den Raum Wünsdorf einnahm, fielen ihr " Zeppelin " sowie " Maybach 1 und Maybach 2" unversehrt in die Hände. Gemäß dem Potsdamer Abkommen wurden die Bunkeranlagen der beiden  Maybach - Komplexe 1947 bzw. 1948 durch die Sowjetarmee gesprengt.  Die oberirdischen Bestandteile von "Maybach 2 " wurden bis 1953 zusätzlich weitgehend demontiert. Warum dies bei der Bunkeranlage  "Zeppelin", bis auf zwei wenig erfolgreiche Versuche unterblieb, ist bis heute noch nicht geklärt.
Kurz nach Kriegsende richtete sich der Führungsstab von  Marschall Shukow,  in Wünsdorf ein, und ab 1953 nahm dort das Oberkommando der  " Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland" ( GSSD ) seinen Sitz ein. Die unteren Etagen wurden vom eindringenden Grundwasser überflutet. Ab etwa 1960 wurden die noch außerhalb der  Garnison liegenden Bunkeranlagen zum Sperrgebiet. Sie wurden leergepumpt und zur Kommando- beziehungsweise Fernmeldezentrale des Oberkommandos (Deckname " Ranet ") um oder teilweise ausgebaut. Auch der Befehlsstand des Oberkommandos fand hier seinen Platz.
Ab 1974 nahm in Wünsdorf die  Vereinigte Hauptzentrale 14  ihren Dienst auf. Es war eine Luftraumkoordinierungs - und Flugsicherungsstelle, in der Offiziere der Sowjetarmee und der Nationalen Volksarmee gemeinsam tätig waren. Diese Einrichtung wurde am 3. Oktober 1990 unter der Bezeichnung   "Luko"  von der Bundeswehr übernommen, jedoch nur für kurze Zeit, da kein Interesse bestand, Wünsdorf-Zossen weiter als militärischen Standort zu erhalten. Bis zum Abzug der nunmehr russischen Truppen  am 8. September 1994 erfolgte die Demontage der Einrichtungen von "Zeppelin". Vorhandene Dokumente wurden nach Moskau verfrachtet, zusammen mit jenen Unterlagen, die Aufschluss über viele, bis heute unbekannte Details geben können. Versuche, dazu Zugang zu erhalten, schlugen bisher fehl. So kann natürlich auch Deutsch-Sowjetische Freundschaft aussehen.

Plan Maybach 1 mit Bunker  " Zeppelin"                                       Plan  Maybach 2   

                                                   

                                    

   Eingang zum Nachrichten - Bunker

Man sieht hier deutlich die Stärke an Material, die eine Panzertür zur Abwehr von Eindringlinge benötigt. In diesem Bereich des Einganges sind in der Zeit der Wehrmacht auch Fahrzeuge in den Bunkerbereich eingefahren. Heute ist davon nur noch in Ansätzen an der Fassade etwas zu sehen. Die Russischen Besatzer haben hier einiges umgebaut. In der Größe der Anlage, die ja bis in ca. 25m Tiefe reicht, waren auch Fahrstühle für die entsprechenden Großtransporte sehr hilfreich. In der Tür sieht man deutlich noch die Öffnungsvorschrift in russischer Schrift. In der Zeit der Nutzung durch die Russischen Truppen ist die Anlage nicht sonderlich gepflegt worden. Bei ihren Abzug aus Deutschland war für sie nichts heilig. Bei meiner pers. Besichtigungstour sah ich eindeutig wie sie hier gehaust haben. Sinnlos wurden  Elektroanlagen ( Kabel, Lampen, usw. ) herrausgerissen  und mitgenommen. Hierbei gilt besonderen Dank der Bücherstadt Wünsdorf, die mit  hohen Investitionen  die Anlagen u. Bunker wieder sicher begehbar gemacht hat.

Auf diesem Bild sieht man Leitungen zur Kommunikation innerhalb des Bunkers " Zeppelin ". Diese Rohrpostanlage ist nach dieser Bildansicht ein wichtiges Bindeglied der Kommunikation innerhalb des Bunkersystems. Wahrscheinlich ermöglichten diese Rohrpostleitungen auch eine Verbindung zu den Maybach Bunkern. Denn, es gab eine Menge Kommunikationsschreiben zwischen den einzelnen  Verbindungsstellen  schnell und sicher zu transportieren.

 

 

Die Maybach Bunker wurden vollständig von der Russischen Armee, noch im Jahr 1945, gesprengt. Da die Wandstärken der Bunker so immens waren halfen selbst bis zu 30t - TNT nicht, hier vollendete Tatsachen zu schaffen. Der besterhaltenste Bunker von Maybach 1 ist lt. Karte A2. Die Deckenstärke war ca. 0,5 m Stahlbeton. Die Auswahl des Daches sollte Bombentreffer abgleiten lassen. Insgesamt ist der Eindruck auf Grund der durchgeführten Sprengungen niederschmetternd. Wünsdorf, ein Ort von höchster Militärgeschichtlicher Bedeutung ist für jeden Bunkerinteressierten ein Besuch wert.

 

 

Auf diesem Bild- Karte ist die ungefähre Größe der Sowjetischen Garnison " Wünsdorf " ersichtlich. Ca. 50000 Bewohner  waren hier in Gebäuden, die zu meist früher der Deutschen Bevölkerung gehörten, untergebracht. Das sog. "Sternenstädtchen" war als militärisches Hauptquartier der sowjetischen Besatzungstruppen durch entsprechende Funktechnische sowie durch Nutzung von Erdkabel mit Moskau, der Zentrale aller Befehlsgewalt, verbunden. Relaisstationen, so wie " Falkenhagen bei Frankfurt / Oder bilden Knotenpunkte in der Verbindung mit den entsprechenden Befehlsstellen. Bei meinem  Besuch der Anlage Falkenhagen wurde die Information gegeben das selbst die sowjetische Nordmeerflotte per Erdkabel nach Murmansk erreichbar war. Wünsdorf selbst ist heute ein Areal von Bunker  und Anlagen, daß noch nicht vollständig erforscht worden ist. Die Gebäude der Wehrmacht sind zum großen Teil in sich zusammen gefallen sind. Aber die  bilden bis heute eine unzerstörbare Substanz. Deshalb ist es wichtig und notwendig diese  sowie alle weiteren, noch erhaltenen unterirdischen Anlagen, genau zu erforschen. Nur dann können wir die komplexen Zusammenhänge dieser  Machtzentrale des " Dritten Reiches "  vollständig erklären.

 

                                 Restaurierter Spitzbunker

Von diesen Spitzbunkern gab es eine ganze Menge auf dem Gelände der Anlage Wünsdorf. Nach Aussagen von Beschäftigten sollen bis zu 500 Personen in dem Bunker Schutz gefunden haben. Im oberen Bereich befanden sich die Luftfilter zur Versorgung mit reiner Luft. Im inneren waren die Bänke rundrum  der Bauform angepasst. Die Bauform der Bunker stellte die beste Abwehr der Sprengwirkung von Bomben bzw. Luftminen bei Bombardierung aus der Luft dar.